Deckung fürs Denkmal

Mittelalterliche Burglegende – neu eingedeckt mit Schiefer

Stolze 850 Jahre alt ist die weltberühmte Burg Eltz an der Mosel. Die Ritterburg wirkt, als sei die Zeit stehen geblieben, nie erobert und nie gewaltsam zerstört. In hohem Alter geriet das prachtvolle Bauwerk dennoch in Gefahr: Das charakteristische Schieferdach musste dringend saniert werden – eine echte Herausforderung viele Meter über dem Burghof.

„Hoch, mächtig, verblüffend, finster. So etwas habe ich noch nicht gesehen”, notiert der Dichter Victor Hugo (1802 – 1885) in seinem Tagebuch, nachdem er Burg Eltz besucht hatte. Ähnliches mögen auch die Dachdecker empfunden haben, die mit der Sanierung des Schieferdaches betraut wurden. Denn Burg Eltz ist ein mittelalterlicher, steil in die Höhe statt in die Breite gewachsener Gebäudegigant mit unzähligen Erkern, Gauben, Giebeln, Kaminköpfen und Türmchen.

40 Tonnen Schiefer hoch überm Burghof

Insgesamt warteten mehr als 1.800 m² Dachfläche auf die neue Deckung. Für diese wurde ein Material gewählt, das ebenso historisch wie aktuell ist: Moselschiefer von Rathscheck – dieser stammt fast aus der Nachbarschaft. Er wird im Bergwerk Mayen gewonnen. Fast 40 Tonnen Schiefer in den Sortierungen 1/12 bis 1/32, das entspricht Steinhöhen zwischen 30 und 16 cm, wurden auf dem Burgdach in Altdeutscher Deckung verlegt. Die vielfältig verschnittenen Dachlandschaften reichen bis auf 70 Meter über Talniveau.

Zur Sanierung des Burgdaches erwies sich diese Deckart als ideal: Mit ihr ließen sich fast alle am Dach vorkommenden technischen Herausforderungen lösen. Schwierige Dachgeometrien, Kehlen und Anschlüsse waren problemlos mit dem haltbaren Schiefergestein realisierbar. Nur in extrem komplexen und engen Verschneidungen mussten die Schieferflächen mit Blei unterlegt werden. Die zum First immer kleiner werdenden Schiefer sind ein ästhetisches Merkmal der Altdeutschen Deckung.

Bauen, wo es reinpasst: Burgen in der Burg 

Für die imposante Höhe der Burg und ihre verschachtelte Bauweise gibt es einen „familiären“ Grund: Burg Eltz ist seit dem 13. Jahrhundert eine sogenannte Ganerbenburg, also eine Clansfestung für mehrere verwandte Familien. Jeder der drei adeligen Eltz-Zweige baute seine Burg in der Burg immer weiter aus – und da diese auf einem Felsen mit beschränktem Platzangebot liegt, blieb im Laufe der Jahrhunderte nur Bauplatz nach oben. Von Generation zu Generation aufgestockt, wuchs eine Burg mit einer romantischen, aber mächtigen und weithin sichtbaren Silhouette heran – so einzigartig, dass Touristen aus aller Welt Burg Eltz oft nur The German Castle nennen.

Bildquelle: Rathscheck Schiefer