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Beliebte Dächer und ihre Konstruktionen

Klar, nicht alle Häuser sind gleich. Die Dächer sind es ebensowenig. Sie unterscheiden sich durch Bauweise, Form, Deckung und andere wesentliche Merkmale. Einige Konstruktions-Basics lohnt es sich für Bauherren in jedem Fall zu kennen, ganz gleich ob man ein neues Dach baut oder ein vorhandenes sanieren möchte:

Kaltdach und Warmdach

Bauphysikalisch gibt es zwei verschiedene Bauweisen: Das Kaltdach und das Warmdach. Das Kaltdach ist als Prinzip seit Jahrtausenden bekannt und wird heute in der zweischaligen Dachkonstruktion gebaut. Sie setzt sich zusammen aus der Unterspannbahn, die reißfest, schwer entflammbar, wasserdicht und diffusionsoffen ist, und der Wärmedämmschicht. Dazwischen befindet sich ein durchlüfteter Spalt, der die Aufgabe des thermischen Puffers übernimmt.

Warmdächer sind einschalig und werden überwiegend im Flachdach-, selten im Steildachbereich gebaut. Bei dieser Dachart wird die Dachhaut direkt auf die Dämmschicht aufgebracht. Es gibt bei dieser Bauweise keine Belüftungszone, was dazu führen kann, dass sich die Dämmschicht im Sommer stärker aufheizt und die nächtliche Abkühlung langsamer erfolgt.

Giebel und Kniestock

Bei einem freistehenden Haus bilden die Giebel den rechten und linken oberen Abschluss der Außenwände. Die Giebelwand hat üblicherweise die Form eines nach oben spitz zulaufenden Dreiecks. Sie bietet ausreichend Platz für den Einbau von Fenstern. Der zunächst treppenartige Giebel wird mit abgeschrägten Steinen vervollständigt. Ist der Einbau eines Ringankers notwendig, wird die treppenartige Mauer eingeschalt, die Bewehrung eingelegt und anschließend betoniert.

Der Drempel oder Kniestock eines Hauses ist die Mauer auf der Längsseite der Decke, auf die der Dachstuhl aufgelegt und mittels Fußpfetten oder Auflagerbalken verankert wird. Die oberste Reihe des Kniestocks wird dabei als Ringanker ausgebildet. Ohne einen Drempel trifft die Dachschräge direkt auf die Obergeschossdecke, was die Wohnfläche reduziert. Das muss schon bei der Planung Berücksichtigung finden, wenn der Dachstuhl einmal zur Wohnfläche ausgebaut werden soll. Die optimale Ausnutzung des Raumes unter dem Dach erhält man bei einem Kniestock von 40 bis 80 Zentimeter Höhe und einer Dachneigung von möglichst 45 Grad. Erst bei einer lichten Höhe von zwei Metern wird die Wohnfläche voll berechnet. Bei weniger als einem halben Meter ist keine Anrechnung möglich.

Der Dachstuhl

Dachstühle werden im Ein- und Zweifamilienhausbau größtenteils aus Holz errichtet. Gründe sind etwa das geringe Gewicht und die gute Stabilität dieses Baustoffs. Um das Holz vor Fäulnis und Insektenbefall zu schützen, müssen nach DIN 68800 geeignete Holzschutzmaßnahmen ergriffen werden. Die meisten Dachstühle entstehen als Sparrendach oder als Pfettendach. Welche Variante gewählt wird, hängt von der Hausgröße und der Dachform ab.

Das Sparrendach

Das Sparrendach eine gebräuchliche Konstruktion für Satteldächer. Es ist aber nur bei Gebäuden einsetzbar, die eine Breite von acht Metern nicht überschreiten. Als Weiterentwicklung entstand deshalb das Kehlbalkendach, die inzwischen meistgebaute Dachstuhl-Variante.

Dabei wird in die Sparren ein aussteifender waagerechter Kehlbalken eingezogen, was den Einsatz von längeren Sparren und damit das Abdecken breiterer Flächen ermöglicht. Die Dachneigung beträgt dann nur noch 32 Grad, normal sind 45 bis 60 Grad. Bei beiden Konstruktionen werden Sparren und Deckenbalken zu einem Dreieck auf Zug verbunden und stützen sich gegenseitig ab. Stützpfosten sind somit nicht nötig. Das Ergebnis ist in beiden Fällen ein freier und Dachraum und ein geringer Holzbedarf.

Das Pfettendach

Beim Pfettendach treten nur vertikale Lasten auf, die auf tragende Giebel- und Zwischenwände mittels Pfetten abgeleitet werden. Sind die Sparren länger als 4,5 Meter, wird der Einbau von Mittelpfetten notwendig: Sie liegen auf dem Mauerwerk und auf zusätzlichen Stützpfosten auf und leiten die Lasten des Dachs dorthin ab. Mit dieser Bauweise sind Dachneigungen zwischen 28 und 45 Grad möglich, der Dachstuhl kann somit im Gegensatz zum Sparrendach über jedem Grundriss errichtet werden.

Weitere Vorteile sind eine sehr gute Windsteifigkeit sowie die Option, größere Dachaufbauten zu realisieren. Ein architektonisches Minus ergibt sich daraus, dass der Dachraum von den Stützen für die First- und Mittelpfette unterbrochen wird.

Die Dach-Formen:

Die Palette der Dachformen ist ausgesprochen vielfältig. Gängige Versionen sind beispielsweise das Satteldach, das Mansard-, Walm- sowie das Pult- und das Flachdach. Unterscheidungskriterien sind hierbei der Neigungswinkel und die Dachform. Die Dachkonstruktion wird bei Sparrendächern aus Holz und bei einem Flachdach aus Beton errichtet.

In der Regel richtet sich die Dachform nach dem Gebäudegrundriss, den regionalen Witterungsbedingungen und dem gewählten Dachstuhl. Zu beachten sind auch behördliche Vorschriften, also die Landesbauordnung oder der Bebauungsplan der Kommune.

Das Satteldach

Das Satteldach ist die am häufigsten anzutreffende Dachform. Sowohl als Sparrendach als auch als Pfettendach hat sich diese Dachform architektonisch und konstruktiv bewährt.

Das Mansarddach

Das Dach mit dem „Knick“ macht ein Dachgeschoss flächenmäßig größer; seine Konstruktion ist jedoch aufwändig und teuer. Mansarddächer finden sich häufig in traditionellen Villenvierteln.

Das Walmdach

Das Walmdach ist eine der ältesten Dachformen. Es demonstriert die elementare Schutzfunktion des Daches und wirkt zudem repräsentativ. Durch Gauben lassen sich beim Walmdach architektonische Akzente setzen.

Das Krüppelwalmdach

Das Krüppelwalmdach ist optisch besonders interessant. Mit dieser Dachform schützt man den Giebel vor rauer Witterung.

Das Pultdach

Das Pultdach war lange Zeit Nebengebäuden und Anbauten vorbehalten. Einfache Gebäude wie Produktions- und Lagerstätten waren mit einer solchen Dachform ausgestattet. Heute findet man diese Dächer verstärkt beim privaten Hausbau, um architektonische Effekte durch zusammengesetzte Pultdächer zu erzielen.

Das Flachdach

Das Flachdach wird auf leicht geneigten Unterkonstruktionen aus Holz oder auf flachen Massivdecken errichtet. Bei der Konstruktion muss auf ein leichtes Gefälle geachtet werden, um die Dachfläche bei Niederschlägen problemlos entwässern zu können.

Bildquelle (Hauptmotiv): Braas, Rathscheck Schiefer, VELUX Deutschland

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