Starkes Stück

Luxus im Heuschober

In diesem Gebäude kommt etwas rüber, das Sie verweilen lässt. Das hat nichts mit schön oder hässlich zu tun, sondern mit seinem eigenen Charakter, versucht Hans-Jörgen Beyer den besonderen Reiz einer ehemaligen Scheune im schwäbischen Dusslingen zu vermitteln.

Zweimal wurde er als Architekt mit dem Umbau in ein Wohngebäude beauftragt. Hilfreich war dabei, dass sowohl der heutige Besitzer als auch sein Vorgänger so viel wie möglich von der alten Substanz erhalten wollten.

Größtmögliche Ökonomie des Bauens

1898/99 wurde die Scheune in regionaltypischer Art unmittelbar an das Wohnhaus angebaut. Damals wurde aufgrund der so genannten Realteilung das Erbe gleichermaßen auf alle Nachkommen verteilt, wodurch viele kleine landwirtschaftliche Betriebe entstanden.

Diese erforderten einen Scheunenanbau mit einem großen Tor für den Heuwagen und Platz für die Lagerung der Ernte. Beyer: "Hunderte solcher Scheunen stehen noch in dieser Gegend. Es ist eine Art Standardbau, alle griffen auf die gleiche Konstruktionsweise zurück."

Diesen Gebäuden war eine größtmögliche Ökonomie des Bauens gemeinsam. Gebaut wurde nur, was Statik und Funktion des Hauses zwingend benötigten.

Bei Bauteilentfernungen einen Statiker oder Architekten hinzuziehen

Der Umbau zum Wohnhaus erforderte somit keine große Entkernung - im Gegenteil: Kaum ein Bauteil ist überflüssig, es gibt keine alten Leitungen, die unverputzten Wände verbergen keine bösen Überraschungen.

Da die Scheunen für große Lasten ausgelegt waren, herrschen auch günstige statische Voraussetzungen. Trotzdem rät Architekt Beyer dringend, einen Statiker oder Architekten hinzuzuziehen: gerade aufgrund der ökonomischen Statik birgt jede Bauteilentfernung ansonsten ein unüberschaubares Risiko und kann durchaus einen Baustopp nach sich ziehen.

Neue Decken und Mauerstücke

Auch die Besitzer der Dusslinger Scheune nahmen einige Veränderungen vor, um den notwendigen Wohnraum schaffen zu können. Die beiden Decken im linken Teil der Scheune wurden entfernt und dafür drei neue nun eine weitere im rechten Teil eingezogen. Im ersten Dachgeschoß musste ein Mauerstück für den Schlafbereich weichen, die Last fängt eine Stahlkonstruktion ab.

Gekonnter Mix aus Altem und Neuem

Schon hier wird eine Besonderheit des ganzen Hauses sichtbar: bis auf die Treppen existieren keine Verkehrsflächen, jeder Quadratmeter erhält Wohnqualität. Im Haus herrscht ein gekonnter Mix aus Altem und Neuem. Historische Landhausdielen kontrastieren mit der modern-leichten Treppe.

Ein gemauertes Regal im Schlafzimmer mit kleinen beleuchteten Nischen ersetzt das Geländer des Treppenaufgangs und bietet gleichzeitig eine reizvolle Beleuchtung. Von hier aus gelangt man auf den rahmenlosen und voll verglasten Balkon. Wie auch der darunter liegende Wintergarten harmoniert er, auf das Wesentliche reduziert, mit dem Originalzustand belassenen Dach.

Schon der vorherige Besitzer hatte die Scheune von Außen isolieren lassen. Das nun sichtbare Fachwerk ist neu und eine genaue Doppelung des alten Aufbaus. Die Fenster der Giebelseite wurden dem Fachwerk angepasst und fügen sich in die "historische" Fassade ein. Architekt Beyer bringt die Atmosphäre auf den Punkt: "Hier kommunizieren Haus und Bewohner."