Dachwartung

Ist eine Dachwartung nötig – oder sogar Pflicht?

Kennen Sie die „Sturmklausel“? Sie besagt: Bei Unwettern reguliert die Gebäudeversicherung Schäden am Dach, wenn vor Ort die Mindestwindstärke 8 (ca. 62 km/h) erreicht oder überschritten wurde. Längst aber hat sich die Versicherungsbranche darauf eingestellt, dass die Anzahl der Unwetterereignisse und ihrer Intensität tendenziell zunimmt.

Viele Versicherungen fordern deshalb im Schadensfall ungeachtet der Windstärke den Nachweis, dass das Dach intakt und nach geltenden Kriterien sturmsicher war. Kann dieser nicht geführt werden oder stellt man nachträglich einen Renovierungsrückstand fest, sind Einschränkungen bei der Regulierung möglich – trotz bestehenden Versicherungsschutzes. Zudem steigen die Anforderungen an die Sturmsicherheit eines Daches: Nach neuester Rechtsprechung muss es in vielen Regionen auch Orkanböen aushalten können.

Dachwartung gibt Sicherheit – auch rechtlich

Die regelmäßige Dachwartung durch einen Fachbetrieb sorgt dafür, dass das Dach in einem sicheren und ordnungsgemäßen Zustand ist und der volle Versicherungsschutz erhalten bleibt. Zahlreiche Gerichtsurteile bis hin zu BGH-Entscheidungen unterstreichen die Wichtigkeit dieser Maßnahme: Sie gewährleistet nicht nur die Sturm-, sondern auch die Verkehrssicherheit, also den Schutz vor Schäden durch herabfallende Gegenstände wie Ziegel oder Solarpanels. Eine Dachwartung zählt deshalb zu den Obliegenheiten des Hausbesitzers.

Zwar gibt es für Dächer keine fixen Kontrolltermine wie die vorgeschriebene Hauptuntersuchung für Autos oder die Emissions-Prüfung der Heizungsanlage durch den Kaminkehrer. Im Schadensfall aber spielt es eine große Rolle, ob der Nachweis geführt werden kann, dass alle erforderlichen und zumutbaren Vorsorgemaßnahmen getroffen wurden.

Checkup und Instandsetzung: Umfang der Dachwartung

Die Dachwartung ist keine reine Sichtprüfung, sondern eine gründliche und fachmännisch ausgeführte Untersuchung auf mögliche Schwachstellen und deren Reparatur. Das Ergebnis der Prüfung wird in einem Inspektionsprotokoll dokumentiert und dem Hausbesitzer als Nachweis ausgehändigt. Der empfohlene Arbeitskatalog umfasst:

  • Prüfung des Zustandes und der Beschaffenheit des gesamten Daches inklusive der dazugehörigen Dachfenster
  • Ausbesserung von Witterungs- und Sturmschäden
  • Ersetzen schadhafter Ziegel / Dachsteine
  • Erkennung von Korrosionsschäden
  • Beseitigung von Ablagerungen, Rückständen und Pflanzenbewuchs
  • Reinigung von Sand-, Schlamm- und Laubfängen in Dachrinnen und -kehlen
  • Wiederherstellung des ungestörten Wasserablaufs bei Ein- und Überläufen
  • Überprüfung und Reinigung von Be- und Entlüftungsöffnungen
  • Beseitigung von Undichtheiten und Mängeln
  • Sanierung von Abdichtungen, Dichtmassen und Fugendichtungen

Mehr Informationen: Themenseite Dach-Sicherheit

Was ist der Unterschied zwischen einer Dachwartung und einer Dachreinigung?

Vorrangiges Ziel einer Dachwartung ist die professionelle Substanzerhaltung des Daches, die nur von ausgebildeten Fachkräften übernommen werden kann – man sollte also auch nicht selbst versuchen, die anspruchsvollen Arbeiten zu erledigen. Eine Dachreinigung hingegen ist reine Oberflächenkosmetik, für die keinerlei Qualifikation erforderlich ist.

Bildquelle: detailfoto, Adobe Stock (Hauptmotiv), VELUX Deutschland

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