Biltzableiter

Der äußere Blitzschutz am Dach verhindert einen Einschlag ins Gebäude

5.7., Ludwigsburg: Blitz schlägt in Einfamilienhaus ein. 16.7., Hornbach: Wohnhaus brennt nach Blitzeinschlag. 29.7., Nöda: Feuerwehr löscht Dachstuhlbrand nach Blitzeinschlag. Nur drei kurz aufeinander folgende Schadensereignisse von vielen aus dem Jahr 2018 zeigen, dass von Gewittern erhebliche Gefahr für Immobilien ausgeht. Pro Jahr schlagen pro Quadratkilometer im Schnitt drei bis vier Blitze ein, etwa 450.000 Mal blitzt es deutschlandweit – mit bis zu 350.000 Ampere. Zum Stärkenvergleich: Im Haushalt fließen Ströme bis zu höchstens 20 Ampere.

Die Schadenssummen insgesamt haben sich über die letzten Jahre auf Rekordwerte erhöht, nicht nur durch die unmittelbaren Auswirkungen eines Blitztreffers auf die Gebäude selbst. Oft wird auch übers Stromnetz teure Elektronik zerstört, die in vielen Haushalten zur Standardausstattung gehört. Beim Smart Home sind die Auswirkungen besonders gravierend, da viele wichtige Funktionen von intakten Komponenten abhängen.

Zu Recht fragen sich viele Hausbesitzer:

Ist ein Blitzableiter am Dach erforderlich?

Sofern keine besonderen Vorschriften für ein Gebäude gelten, ist die Installation einer Blitzschutzeinrichtung freiwillig. Sie wird auch von den Feuer-, Wohngebäude- und Hausratversicherungen nicht zwingend gefordert. Der dokumentierte materielle Verlust wird nach Blitzschäden meist anstandslos ersetzt. Nicht berechen- und ersetzbar ist aber der Aufwand, den Hausbesitzer für die Wiederbeschaffung elektrischer Geräte oder verlorener Daten auf Computerfestplatten haben – von Stress und Schreckmomenten ganz zu schweigen.

Entscheidend bei der Frage „Blitzableiter ja oder nein“ ist also nicht die Rechtslage, sondern das individuelle Sicherheitsbedürfnis. Kurz gefasst, liegt der Hauptvorteil eines Blitzableiters in effektivem Schutz vor Bränden durch Blitzeinschläge, die naturgemäß den Dachbereich als höchsten Gebäudepunkt betreffen – das gilt sowohl für frei stehende als auch für Reihenhäuser.

Ein Blitzschutzsystem bildet in jedem Fall eine sinnvolle Sicherheitskomponente für Unwettersituationen, die vor allem am Dach ihre Wirkung entfaltet – ebenso wie Sturmsicherungen und Schneefangsysteme. Ist auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installiert, so ist die Absicherung durch Blitzschutz unbedingt empfehlenswert.

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Welche Blitzschutzsysteme gibt es?

Blitzschutzsysteme, gebräuchlicher ist der Ausdruck Blitzableiter, sorgen im Fall eines Blitzeinschlags dafür, dass der Blitzstrom gefahrlos in die Erde abgeleitet wird. Man unterscheidet dabei zwischen

  • äußerem Blitzschutz für die Gebäudehülle gegen einen Direkteinschlag und
  • innerem Blitzschutz gegen Überspannungen, die durch Blitzeinschläge in der Nähe verursacht werden.

Was kostet ein Blitzschutzsystem?

Blitzschutz lässt sich jederzeit nachrüsten. Die Kosten dafür bewegen sich bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus etwa zwischen 2.000 und 3.000 Euro für äußere Blitzschutzmaßnahmen, hinzu kommen 200 bis 500 Euro für inneren Blitzschutz. Bei Neubauten ist die Installation etwa 20% günstiger.

Wie funktioniert der äußere Blitzschutz?

Der äußere Blitzschutz fängt den Blitzstrom ein und leitet ihn in die Erde ab. Hierzu wird das Gebäudeprofil mit Metallleitungen grob „nachmodelliert“. Die zentrale Fangeinrichtung befindet sich am First, herausragende Dachaufbauten und Regenrinnen werden auf kürzestem Weg angebunden. Als zulässige Fangeinrichtungen gelten neben Metalldachdeckungen, Metalleinfassungen von Dachkanten, Metallabdeckungen von Brüstungen. Dazu zählen auch andere Metalleinfassungen, wenn sie wenigstens 0,7 Millimeter dick und zuverlässig verbunden sind.

Von dieser Regelinstallation ausgenommen sind nicht geerdete Dachaufbauten aus Metall, wenn alle folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

Dachbauten dürfen

  • maximal 0,3 Meter aus der Maschenebene oder dem Schutzbereich herausragen
  • maximal 2 Meter lang sein und
  • höchstens eine Fläche von einem Quadratmeter (z.B. Dachfenster) einschließen,
  • nicht mehr als 0,5 Meter von einer Fangeinrichtung entfernt sein.

Weitverbreiteter Werkstoff für oberirdische Leitungen und Verbindungen sind verbreitete verzinkten Stähle. Diese aber können an Schnittstellen rosten, was zu optischen Mängeln auf der Dachfläche führt. Die Alternative ist eine Aluminium-Knetlegierung 8 Millimeter, welche nach der in Deutschland gültigen VDE 0185 ausdrücklich zugelassen ist. Abstand- und Leitungshalter sollten aus Zinkdruckguss bestehen.

Bildquellen: Christian Schwier/AdobeStock (Hauptmotiv), psdesign1/fotolia.com