News-Flash: Warnung vor Betrug

Unseriöse Handwerker: Die neuesten Tricks der Dachhaie

Achtung Hausbesitzer! Aktuell warnt die Dachdeckerinnung Stuttgart vor unseriösen Firmen, die mit einer ganz neuen Masche auf Kundenfang gehen: Bei Anrufen oder beim Besuch an der Haustür wird behauptet, man komme im Auftrag der Dachdeckerinnung und müsse eine Dachinspektion durchführen. In der Folge wird dann versucht, teure und unnötige Reparaturen zu verkaufen. Nach der Besichtigung des Daches werden „Schäden“ festgestellt, zu deren Behebung an Ort und Stelle ein Vertrag abzuschließen sei. Ein vermeintlich günstiger Pauschalpreis soll die Hausbesitzer zur schnellen Unterschrift, manchmal sogar zu einer Vorauszahlung veranlassen.

„Jedes Jahr haben wir im Frühjahr das Problem mit hausierenden Dachdeckern“, erklärt dazu Hartmut Schad, Geschäftsführer der Dachdeckerinnung Stuttgart. „Doch wie derzeit unseriöse Dachdeckerfirmen oder deren Vertreter versuchen, speziell ältere Hausbesitzer zu täuschen und zur schnellen Auftragsvergabe zu überrumpeln, grenzt schon an Dreistigkeit.“

Die Innung weist ausdrücklich darauf hin, dass sie keinesfalls Dachinspektionen beauftragt noch ihre Mitgliedsbetriebe unaufgefordert solche anbieten. „Auch wenn das Dach kleinere Reparaturen notwendig hat oder in der nächsten Zeit eine Sanierung ansteht, sollten Aufträge nicht sofort und ohne Überlegung an der Haustüre vergeben werden“, warnt der Innungssprecher.

Dabei ist dies nur einer von vielen Tricks, mit denen fragwürdige Anbieter an Aufträge und schnellen Profit zu kommen suchen. Hier sind noch mehr:

Betrugsziele gesucht? Das Internet hilft!

Besonders attraktive Ziele für Dachhai-Brigaden – einer kommt selten allein – sind Wohngegenden mit einem hohen Bestand an älteren Bauten, bevorzugt Einfamilienhäusern. Die lassen sich komfortabel per Satelliten-Karte finden, und auf den Bildern kann dank guter Auflösung sogar das Alter der Dächer realistisch eingeschätzt werden. So schlagen die unseriösen Dachdecker zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen ist bei einem Altbau Reparaturbedarf leichter zu argumentieren. Und zum anderen sind die Bewohner solcher Häuser mit etwas Glück auch nicht mehr die jüngsten und an der Haustür mit aggressivem Verkaufsgebaren einfacher zu überrumpeln. Nicht allein Dächer, auch Türen und Fenster sind häufig Bestandteil des „Sanierungs-Sonderangebots“.

Den Schaden gleich mitbringen

Sehen heißt glauben, jedenfalls aus Dachhai-Perspektive. Deshalb bringen manche den Beweis für eine unaufschiebbare Dachreparatur gleich mit, beispielsweise in Form eines gebrochenen Ziegels, der angeblich soeben vom Dach gefallen ist. Alternativ verschaffen sich die ungebetenen Handwerker Zugang zum Dach und präsentieren den maroden Ziegel anschließend. Damit Form und Farbe stets halbwegs zum Objekt passen, führt man eine größere Auswahl im Lieferwagen mit.

Das Widerrufsrecht austricksen

Mit gutem Grund verlassen sich unseriöse Dachhandwerker nicht auf formlose mündliche Vereinbarungen, sondern drängen sofort aufs Unterschreiben von Auftragsformularen. Hier lauert eine Falle: Nach geltendem Recht steht Hausbesitzern mindestens ein 14tägiges Rücktrittsrecht zu – es handelt sich um einen sogenannten Außergeschäftsraumvertrag. Wird man nicht über das Rücktrittsrecht aufgeklärt, verlängert sich die Widerrufsfrist sogar auf 12 Monate. Beginnt der beauftragte Betrieb aber umgehend mit der Arbeit, z.B. mit dem Abdecken des Daches, so ist für den Kunden ein Rücktritt vom Vertrag de facto kaum noch möglich. Das Kundenrecht wird so durch robustes Schaffen von Tatsachen umgangen – haben die Handwerker erst einmal Hand ans Dach gelegt, ist es meist zu spät.

Teuer gleich, noch teurer später

Worin genau aber liegt das Problem? Meist ist es das Missverhältnis zwischen Preis und erbrachter Handwerksqualität. Und die Kosten, die als Konsequenz mangelhafter Arbeitsausführung zusätzlich entstehen können, insbesondere

  • fehlende Dichtigkeit des Daches mit langfristigen Folgeschäden
  • Schäden am Dachstuhl durch unfachmännische Eingriffe
  • Beschädigung der Dämmung
  • Instabile Verlegung des Eindeckmaterials
  • Bruchschäden infolge von falscher Betretung
  • Beeinträchtigung der Eindeckung durch unnötige Reinigungsarbeiten.

Viele dieser Mängel erkennt der Laie erst mit Verzögerung – der Dachhai geht dann seiner Tätigkeit längst woanders nach.

So schützen Sie Ihr Dach und Geld:

Die eigentliche Kompetenz dieser wandernden Betriebe sind Überrumpelungstaktik, Zeitdruck und finanzielle Köder.

Lassen Sie sich also nicht auf hastige Haustürgeschäfte ein, auch wenn Ihnen günstig erscheinende Preise bei Sofortabschluss versprochen werden, und nehmen Sie sich die Zeit für eine gründliche Prüfung. Unterschreiben Sie nichts an der Haustür, und bestehen Sie auf einem formgerechten Kostenvoranschlag. Aus diesem sollten auch die genauen Daten des Handwerksbetriebes wie Name, Adresse und Qualifikation ersichtlich sein. Seriöse Dachdeckerfirmen sind echte Innungsmitglieder und am entsprechenden Logo zu erkennen.

Barzahlung ist für Dacharbeiten jeder Art absolut unüblich, Bar-Vorkasse noch mehr. Seriöse Firmen senden nach ordnungsgemäß getaner Arbeit korrekte Rechnungen zur Überweisung. Verlassen Sie sich auf kompetente lokale Fachbetriebe. Diese sind auch dann ansprechbar, wenn es zum Gewährleistungsfall kommt – anders als mobile Kolonnen.

Übrigens: Qualifizierte und vertrauenswürdige Dachhandwerker finden Sie über unsere Fachhandwerker-Suche.

Bildquellen: sharplaninac (Adobe Stock, Hauptmotiv), Gina Sanders (Adobe Stock)

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