Von der Energieschleuder zum Multi-Komfort-Haus

- Bild: Isover

Um 9.000 Liter wiesen die Heizölrechnungen der dreistöckigen Doppelhaushälfte in Mannheim-Almendorf Jahr für Jahr aus – bis der Architekt und Passivhaus-Planer Roland Matzig die Immobilie erwarb, um sie als Wohn- und Geschäftshaus selbst zu nutzen. Den neuen Hauseigentümer schreckte der energetische Zustand des Hauses keineswegs. Da energieeffizientes Bauen und Sanieren für ihn nicht nur ökonomische, sondern vor allem ökologische Aspekte hat, sieht Roland Matzig vom Planungsbüro „r-m-p-Architekten" in Mannheim gerade in der Modernisierung von Bestands-Immobilien eine besondere Herausforderung. Denn hier ist das von ihm als nachhaltigste Art zu bauen favorisierte Passivhaus-Konzept ungleich schwieriger umzusetzen als im Neubau.
Effiziente Dämmstoffe unterstützen das Konzept
Die energetische Basis eines Passivhauses ist seine hoch gedämmte Gebäudehülle. Und hier setzte das Modernisierungskonzept Matzigs an. Es galt, aus den zugigen, schlecht gedämmten Außenbauteilen des Altbaues eine perfekt gedämmte Außenhülle ohne Wärmebrücken und Luftundichtigkeiten zu schaffen. Dabei spielen hocheffiziente Dämmstoffe, die Bauteilschichten in vertretbaren Grenzen halten, eine wichtige Rolle. So wurden beispielsweise im Dach des Mannheimer Objekts die neue Mineralwolle-Generation 032 von Isover verbaut (von ÖKO-Test 10/2009 als „sehr gut“ bewertet), die neben besonders guter Wärmedämmung den für Mineralwolle typischen hohen Schallschutz sowie mehr Sicherheit durch Nichtbrennbarkeit und Diffusionsoffenheit bietet.
Die wärmegedämmte Außenhülle
Zur Dämmung des Sparrendachs wurde zunächst ein Klemmfilz der Mineralwolle-Generation 032 140 mm dick zwischen den Sparren verlegt. Darunter verläuft eine weitere, nur 24 mm dünne Mineralwolledämmung zwischen den Traglatten. Sie dient in erster Linie als Installationsebene. Schadensträchtige Durchdringungen der darüber liegenden Dampfbremse durch Kabel oder Rohre konnten so vermieden werden. Die Hauptdämmschicht befindet sich über den Sparren. 200 mm stark, schaltet sie den Wärmebrückeneffekt der Sparren beinahe komplett aus und bildet den für ein Passivhaus wichtigen homogenen, hoch wirksamen Wärmeschutz des Daches (U-Wert-Verbesserung von 1,1 auf 0,15 W/m2K). Die sorgfältig abgedichtete Dampfbremse ist feuchtevariabel und ermöglicht daher in Verbindung mit dem diffusionsoffenen Dämmstoff ein problemloses Abtrocknen feuchter Sparren.
Nach dem Einbau der neuen Passivhausfenster mit 3-Scheiben-Isolierverglasung (U-Wert-Verbesserung von 2,7 auf 0,73 W/m2K) in der Dämmebene erhielt die einschalige, verputzte Außenwand ein 260 mm dickes, ebenfalls mineralisches Wärmedämm-Verbundsystem, das den U-Wert von ehemals 1,9 W/(m2K) bis auf passivhaustaugliche 0,15 W/(m2K) absenkte. Es setzt sich als Sockeldämmung über die Flanken der Kellerdecke hinaus nach unten fort. Die Kellerdecke trennt den warmen Bereich vom unbeheizten Keller und musste daher entsprechend dick gedämmt werden: 120 mm dicke, an der Deckenunterseite verklebte Steinwolleplatten sorgen im Erdgeschoss für warme Füße. Unterstützt werden sie von einer 200 mm dicken Estrichdämmung im Erdgeschoss (U-Wert-Verbesserung Kellerdecke von 1,1 auf 0,17 W/m2K).
Die Haustechnik
Durch die hervorragend gedämmte Außenhülle wurde ein konventionelles Heizsystem überflüssig. Das Wohn- und Geschäftshaus in Mannheim erhielt stattdessen eine geregelte Zu- und Abluftanlage mit einer Wärmerückgewinnung von über 90 Prozent. Sie reduziert die Lüftungswärmeverluste auf ein Minimum und sorgt für zugluftfreie, saubere Raumluft. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe dient der Nachheizung der Raumluft an sehr kalten Tagen und unterstützt die Warmwasser-Aufbereitung. Überwiegend wird das Trinkwasser jedoch solar erwärmt. Um die Leitungsverluste auf ein Minimum zu begrenzen, wurden alle Warmwasserrohre ebenfalls überdurchschnittlich gedämmt bzw. im beheizten Wohnbereich verlegt.

- Nach der Modernisierung














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