SCHIEFER

Schieferdächer für das Kleinod Villa Gericke

Für jedes, auch noch so anspruchsvolle Dach, gibt es eine technisch und gestalterisch adäquate Schieferdeckung.

Ein Kleinod der Handwerkskunst: Villa Gericke in Potsdam.
Ein Kleinod der Handwerkskunst: Villa Gericke in Potsdam.

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Die sanierte Villa Gericke in Potsdam erhielt zum Beispiel nach altem Vorbild in großen Teilen ein Dach aus sogenannten Bischofsmützen. Das sind Schiefer, die wie eine Rechteck-Doppeldeckung gedeckt werden. Die Ansichtsflächen dieser Schiefer weisen jedoch einen spitz zulaufenden gotischen Schnitt auf und ähneln damit einer Bischofsmütze. Die schmückende Deckart passt sehr gut zur Villa Gericke, deren Gestaltung traditionelle Züge einer nordisch-russischen Bauweise aufweist.
 
Das mit vielen dekorativen Elementen verzierte Gebäude wurde 1892 errichtet. Als bourgeoise Architektur in der ehemaligen DDR verpönt, hatte das Bauwerk nur wenige Fürsprecher. Deshalb befand es sich nach der Deutschen Einheit auch in einem hochgradig sanierungsbedürftigen Zustand. Erst 2005 erwarb ein international tätiges Anwaltsehepaar die Villa. Die Dachdeckungen waren zu diesem Zeitpunkt undicht und unvoll­ständig, die Dachstühle schadhaft, die Mauerwerke zum Teil feucht.
 
Dacharbeiten unterm Dach:
 
Die umfangreichen Arbeiten am Dachstuhl und an der Dachdeckung begannen 2006. Dafür wurde das Gebäude komplett eingehaust und die Dachdeckung im Trockenen abgenommen. Sie bestand zum Teil aus Altdeutscher Deckung und zum Teil aus Bischofsmützen. Der Dachstuhl war vielfach schadhaft. Der Turm hatte unter anderem keine Turmspitze mehr. Im Zuge der Bauarbeiten fanden die Handwerker auf dem Dachboden verschiedene alte Bauteile, wie Firstverzierungen oder Schornsteinendrohre. Sie wurden für die anstehenden Sanierungsmaßnahmen genutzt oder in den benötigten Stückzahlen exakt nachgebaut.
 
Im Zuge des Neuaufbaus der Dachkonstruktion erhielt der Turm wieder wie einst ein Kegeldach. Die Tragwerke der Satteldächer wurden in großen Teilen erneuert, so weit möglich zwischen den 14er-Sparren gedämmt und innen mit einer Dampfbremse versehen. Dann wurde die gesamte Dachkonstruktion wieder komplett verschalt und für die Schieferdeckung mit einer diffusionsoffenen Vordeckung vorbereitet.
 
Bischofsmützen und Altdeutsch:
 
Nach eingehender Sichtung alter Unterlagen und Bilder stand fest, dass die Satteldachflächen bereits im Ursprung vor über 100 Jahren mit Bischofsmützen gedeckt waren. Die neuen Schiefer lieferte Rathscheck Schiefer aus Mayen im Format 50 x 25 cm. Die Firste bekamen wieder ihre alten Verzierungen und an allen Enden jeweils Zierspitzen. Auch die schlanken Satteldachgauben krönt jeweils eine Zierspitze aus Titanzink. Für Firste und Traufen kamen entsprechende Zubehörschiefer als Rechtecker zum Einsatz.
 
Die Regenrinnen wurden origi­nalgetreu als aufgelegte Rinnen ausgeführt. Der Kegelturm erhielt eine Altdeutsche Deckung aus Moselschiefer. Nach einer alten Schwarz-Weiß-Bild-Vorlage ist die Altdeutsche Deckung hier waagerecht, ohne Gebindesteigung gedeckt. Nach jeweils fünf rechts gedeckten Reihen folgt ein links gedecktes Gegengebinde. So entstehen vier waagerechte Felder zu je fünf Deckreihen und drei Gegengebinde. Die Kegeldeckung des Turmes entspricht auf diese Weise mit seinem Streifenmuster wieder exakt dem historischen Vorbild. Nach vorgefundenen Zeichnungen und alten Bildern wurden auch die Anschlüsse an Kehlen, Gauben, Ortgänge und Traufen aus Blechen mit Wasserfalz gelöst.
 
Das gelungene Dach ehrt den Handwerker und bestätigt die Vorgehensweise des Bauherren. Ähnlich konsequent ging der Bauherr auch bei den Mauerwerks- und Fassadenarbeiten vor. Ungewöhnlich reizvolle und liebevoll vollendete Holzarbeiten und Mauerwerksdetails prägen die Villa.
 
 
Bildquelle: Rathscheck Schiefer/ Halama
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