Besinnung auf das Wesentliche

Der schichtartig strukturierte Kalkstein wurde in der Vergangenheit gerne zur Dachdeckung verwendet. In Erinnerung daran setzt das Austragshaus in Titting-Petersbuch diese Tradition mit zeitgemäßen Dachbaustoffen fort: Das Dach erhielt eine Deckung mit hellgrauen Braas Tegalit Dachsteinen.

Kargheit kennzeichnet die raue, weite Hochebene der südlichen Frankenalb. Die Erschließung der Jura-Marmor-Vorkommen war daher sehr willkommen - seit Mitte des letzten Jahrhunderts wird der Kalkstein abgebaut und ist ein weit verbreiteter, beliebter Baustoff. Die Armut der Landschaft spiegelt sich in der Bauweise dieser Region wider.

Die Häuser sind zweckmäßig und einfach, aufwendiger Schmuck fehlt. Dafür sind die Proportionen der prägnanten Baukörper ausgewogen, Tür- und Fensteröffnungen wohlgeordnet, die Grundrisse übersichtlich. Von diesem gestalterischen Leitbild lässt sich auch der Architekt Paulus Eckerle leiten, der aus der Region stammt und in vielen seiner Planungen diese Merkmale zitiert.

Kompakter Baukörper

Der giebelständige, weiß verputzte Hauskörper wirkt freundlich. Dazu tragen die symmetrisch angeordneten, nicht zu großen Fenster bei, vor allem bei geöffneten Klappläden. Die Fensteröffnungen ordnen sich der Wandfläche unter. Damit wird der kompakte Charakter des Hauses unterstrichen. Den oberen Giebelabschluss bildet ein dreifach gestufter, glatter Fries am Ortgang, er „rahmt“ als sparsame Zierde die Fassade.

Die 42 cm starken Außenwände aus Poroton-Planziegeln wirken massiv. In der Geschichte waren kräftige Außenmauern notwendig, um die hohe Last des Juraplatten-Dachs zu tragen. Heute sorgt diese Wandstärke bei einschaligem Massivmauerwerk für einen guten Wärmeschutz.

Die sichtbar eingesetzten Werksteine aus Jura-Marmor stellen den Bezug zur Landschaft und zum „geologischen Untergrund“ her: Der seitliche Hauseingang wird über Trittplatten und eine massive Trittstufe erreicht, er ist von massiven Kalksteinplatten gerahmt. Kragsteine unter den Traufen, ebenfalls aus Jura-Kalkstein, dienten in der Vergangenheit als Auflager für eine hölzerne Halbstamm-Rinne, heute verleihen sie den seitlichen Hausfassaden eine rhythmische Gliederung.

Das Dach folgt in seiner Gestaltung ortstypischen Merkmalen. Die Dachüberstände sind knapp, die Neigung entspricht mit 27° den historischen Vorbildern, denn die Kalksteinplatten wurden früher nur durch ihr Eigengewicht und unbefestigt auf dem Dachstuhl in ihrer Lage gehalten.

Das Dach in Petersbuch ist mit Braas Tegalit-Dachsteinen in Hellgrau gedeckt. Diese Deckung erinnert in ihrer gleichmäßig-ruhigen Textur an die historisch überlieferten Juraplatten-Deckungen, berücksichtigt jedoch die heute notwendigen technischen und bauphysikalischen Anforderungen und Maßstäbe, die die Regeln der Technik sowie die Hersteller-Verarbeitungsvorschriften vorgeben. Die sorgfältige Beachtung dieser Vorschriften gewährleistet ein auf viele Jahrzehnte funktionsfähiges Dach.

So ist darin als Beispiel die Regeldachneigung bei Tegalit auf 25° festgelegt. Hierbei handelt es sich um die unterste Dachneigungsgrenze, bei der sich in der Praxis die Dachdeckung als regensicher erwiesen hat. Nach dieser Vorgabe liegt die Dachneigung beim Wohnhaus in Petersbuch „auf der sicheren Seite“.

Der Grundriss ist ganz auf die praktischen Bedürfnisse eines Austragshauses zugeschnitten. Alle Räume der Wohnung sind im Erdgeschoss angeordnet. Sollte die Bewegungsfähigkeit der Bewohner irgendwann eingeschränkt sein, sind alle Zimmer barrierefrei erreichbar. Die Türöffnungen sind 1,20 m breit, das Bad behindertengerecht ausgestattet. Das Wohn- und das Schlafzimmer liegen, von der Straße abgewandt, in sonniger Süd-West-Ausrichtung an der ruhigen Rückseite, der eine große Terrasse vorgelagert ist.

Das Geschehen auf der Straße lässt sich von der Küche aus verfolgen. Den fehlenden Keller ersetzen Abstellräume im Anbau. Im Obergeschoss sind drei großzügige Zimmer für Gäste oder zum Arbeiten angeordnet. Der mit 1,75 m sehr hoch ansetzende Kniestock ermöglicht vielfältige Nutzungen ohne Einschränkungen.

Obwohl die Grundrisse des Austragshauses den Nutzungskriterien optimal entsprechen, weisen sie gleichzeitig Verbindungen zu historischen Vorbildern auf. Die zentrale Erschließung des Hauses erfolgt über einen mittig gelegenen Flur, in den seitlich eine geradläufige Keilstufen-Treppe eingestellt ist. Dieses Motiv des axial angeordneten Flurs findet sich in vielen bäuerlichen Anwesen des süddeutschen Raums bis in die Alpen. Auch im Innern wurde, wo möglich, der hell-ockerfarbene Jura-Marmor eingesetzt: Die Boden- und Wandbeläge, der Kachelofen und die Keilstufen der Treppe aus diesem Naturstein vermitteln eine wohnlich warme Atmosphäre.

Tradition und Moderne

Das Austragshaus der Eheleute Bauernfeind in Petersbuch ist ein zweckmäßiges Wohnhaus, nach allen Kriterien zeitgemäßen Bauens geplant und errichtet. Gleichzeitig greift es in vielen Details traditionelle Merkmale auf und thematisiert die Bindungen an die Region, in der es steht.

Die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des Jura-Marmors als Baumaterial wurden weit ausgeschöpft. Der Baukörper wirkt kompakt, beinahe trutzig - schon rein optisch bietet das Haus Schutz gegen die Unbilden der Natur und der Witterung. Das Dach mit hellgrauem Braas Tegalit unterstreicht diesen Eindruck wirkungsvoll.

Bildquelle: dach.de