Schlechtes Geschäft

Unseriöse Handwerker zocken Hausbesitzer ab

Ehrlich sind sie nicht, einfallsreich allerdings leider schon – im Frühjahr und Sommer ist deutschlandweit Hochsaison für unseriöse Dachhandwerker. Die sogenannten Dachhaie kommen unerwartet, verschaffen sich mit windigen Vorwänden einen Auftrag, rechnen überteuert ab und liefern in der Regel eine so dürftige Ausführungsqualität, dass auch noch mit Folgeschäden zu rechnen ist.

Tatort Eigenheim: Nepp an der Haustür, Pfusch auf dem Dach

Der neueste Dachhai-Trick schaffte es sogar ins Fernsehen. Die SWR-Sendung „Marktcheck“ widmete dem dreisten Vorgehen einen eigenen Beitrag, um Hausbesitzer aufzuklären. Die Masche geht so: Es klingelt an der Tür, zwei Männer im Blaumann präsentieren dem Hausherrn eine zerbrochene Dachpfanne, die angeblich von seinem Haus stammt. Stark beschädigt sei das Dach, erklären sie, und es bestehe unmittelbare Einsturzgefahr. Wie gut, dass sie die Gefahr zufällig erkannt hätten, und ebenso zufällig hätten sie gerade Kapazitäten frei.

An Ort und Stelle unterschreibt der verunsicherte Hausherr einen Reparaturvertrag – zum weit überhöhten Preis. Er bezahlt etwa 50% mehr, als ortsansässige Dachdecker berechnet hätten. Später stellt ein Gutachter fest: Nach der sogenannten Sanierung ist das Dach tatsächlich einsturzgefährdet, nicht mehr sturmsicher und obendrein an vielen Stellen undicht. Reklamation: sinnlos, Kosten: gigantisch.

Dachhaie erkennen – und richtig reagieren

Wie kann man sich vor derartigen Praktiken schützen und verhindern, dass aus einem intakten Dach eine ruinöse Baustelle wird? Hier die wichtigsten Tipps, basierend auf den Empfehlungen der Handwerkskammern und Innungen: 

  • Handwerkern, die unangemeldet und ungerufen kommen, darf auf jeden Fall mit größter Skepsis begegnet werden. Eine Dachsanierung oder -reparatur ist üblicherweise kein Geschäft, das zwischen Tür und Angel abgeschlossen wird.
  • Massive Einschüchterung ist ein klassisches Vorgehen der Dachhaie und führt vor allem bei älteren Menschen schnell zum Erfolg. Denn sie lassen sich leicht Angst um ihr Dach überm Kopf und vor den Folgen von Schäden einjagen. Wer also im Verwandtenkreis Hausbesitzer im Seniorenalter hat, sollte sie – sicher ist sicher – vor übereilten Unterschriften warnen.
  • Die Dachhaie machen sich zunutze, dass für viele Hausbesitzer das Dach ein unvertrautes und unzugängliches Element am Haus ist, anders als Wände, Böden und Treppen. Aber: Bautechnisch betrachtet kann ein bislang völlig unbemerkter Schaden an einem normalen Dach kaum so gravierend sein, dass eine größere Sofortreparatur begründet wäre. Zeit genug also, eine zweite Meinung mitsamt Kostenvoranschlag einzuholen. Oft erledigt sich dadurch das „Problem“ von selbst.
  • Qualifikation spart Ärger und Kosten. Der Dachdeckermeister vor Ort ist in jedem Fall ein vertrauenswürdigerer Partner für Dacharbeiten als eine durchreisende Firma. Als Innungsfachbetrieb bürgt er für eine solide Ausführung aller Arbeiten sowie eine ordnungsgemäße Gewährleistung – und ist dazu auch noch oft günstiger.

Bildquelle: Braas