Dacheindeckung

Dachziegel und Dachsteine: Was sind die Unterschiede?

Oben auf dem Dach gibt es tatsächlich Konkurrenz: Ziegel und Dachsteine ähneln sich optisch sehr, unterscheiden sich aber in ihren Eigenschaften deutlich und bieten jeweils auch ganz spezielle Vorteile. Hier die für Hausbesitzer interessantesten in 7 Punkten! Für den schnellen Fakten-Vergleich finden Sie am Ende des Artikels unsere Quick-Info.

1. Dachziegel: Das klassische Naturprodukt

Dachziegel werden aus natürlichen Materialien hergestellt. Sie bestehen aus Ton, der bei Temperaturen zwischen 900 °C und 1.200 °C gebrannt wird. Während des Brennprozesses verdampft die chemisch gebundene Flüssigkeit aus dem Rohmaterial, der Ton wird härter und wasserbeständig. Die natürliche Farbe der Ziegel ist das typische Rot; durch zusätzliche Engoben – dies sind matte Oberflächenbeschichtungen – oder Glasuren kann die Oberfläche in zahlreichen Farbvarianten gestaltet werden.

2. Dachsteine: Beton gibt´s auch in bunt

Dachsteine sind aus Beton gefertigt – einer Mischung aus quarzhaltigem Sand, Zement und Wasser. Im Gegensatz zum Ziegel werden sie nicht komplett gebrannt. Diese hochthermische Prozedur benötigt nur der Zementanteil, ehe er beigemischt wird. Nach dem Formvorgang wird der Dachstein in Wärmekammern bei 60 °C getrocknet und anschließend etwa einen Monat lang ausgehärtet. Ihre Färbungen erhalten Dachsteine durch beigemischte Farbpigmente auf Eisenoxidbasis oder durch das Aufbringen einer Kunststoff-Farbbeschichtung.

3. Und was ist eine Dachpfanne?

Im Zusammenhang mit Ziegeln und Dachsteinen begegnet man häufig auch dem Begriff Dachpfanne. Dieser beschreibt eine Form mit ausgeprägter Verfalzungstechnik, die besonders stabil auf dem Dach liegt, und wird für beide Ausgangsmaterialien verwendet.

4. Preisfrage: Kosten Ziegel mehr als Dachsteine?

Der Preis von Dachziegeln und Dachsteinen richtet sich nach der gewählten Version, je nachdem sich der Bauherr für einen Basistyp oder eine in Form, Design und Material hochwertigere Ausführung entscheidet. Früher galt der Dachstein als kostengünstiges Massenprodukt und der Ziegel als generell hochpreisiger. Inzwischen haben sich die Preise von Dachziegeln und Dachsteinen angenähert: Vom Grundpreis günstiger Modelle führender Hersteller und einem Standarddach ausgehend, ist der Gesamtunterschied für eine Deckung heute verhältnismäßig gering. Etwas sparen lässt sich bei der Konstruktion: Da Dachsteine ein größeres Format haben als Ziegel, ist eine geringere Lattenzahl erforderlich – das reduziert Arbeitsaufwand und Kosten.

5. Die wichtigsten Verlegungs-Vorteile von Ziegel und Dachstein

Sowohl Dachziegel als auch Dachsteine bieten eine große Bandbreite an Farb-, Format- und Formvarianten für individuelle Bedachungslösungen. Unterschiede gibt es bei der Verlegung:

Ziegel sind aufgrund ihrer kapillar-porösen Struktur leichter als Betondachsteine. Dadurch eignen sie sich sehr gut auch für schlankere Dachkonstruktionen, bei denen es auf geringes Eigengewicht ankommt. Auch bei geringen Dachneigungen sind Ziegel vorteilhaft, da sie dank Verfalzung rutschfest verlegt werden können.

Dachsteine erlauben eine fugenfreie, passgenaue und präzise wirkende Verlegung, was allerdings höhere Anforderungen an die Hinterlüftung mit sich bringt.

6. Harte Typen: Pflege und Witterungsbeständigkeit

Sowohl Dachziegel als auch Dachsteine halten, professionell verlegt, den Witterungsbedingungen verlässlich stand und sichern das Dach über Jahrzehnte gegen Nässe und Wind. Besondere Wartungs- oder Pflegemaßnahmen sind nicht erforderlich.

Was klimatische Einflüsse betrifft – beim in unseren Breiten wichtigen Kriterium Frostbeständigkeit liegt der Dachstein vorne: Er ist absolut unempfindlich gegen niedrige Temperaturen. Grund dafür ist die höhere Dichte und Härte des Materials, die im Laufe der Jahre sogar noch zunimmt. Auch Hagelschlag stecken die harten Dachsteine leichter weg als Ziegel.

Wenn es um Widerstandsfähigkeit gegen Algen- und Moosbewuchs geht, punktet der Ziegel mit seiner natürlichen Materialfunktion: Er nimmt Feuchtigkeit schnell auf und trocknet auch rasch wieder ab. Wegen der fehlenden „feuchten Grundlage“ können sich auf Ziegeln Grünbeläge nur schwer ansiedeln. Moderne Dachsteine beugen organischer Verschmutzung durch zusätzliche selbstreinigende Beschichtungen vor – dass Betonsteine leichter veralgen, trifft also nur auf ältere Produktgenerationen zu.

7. Nachhaltig interessant: Wer hat die bessere Ökobilanz?

Überraschenderweise haben Betondachsteine eine bessere Ökobilanz als Dachziegel. Letztere sind zwar ein Naturprodukt, müssen aber als ganze Pfanne bei hohen Temperaturen gebrannt werden. Bei Dachsteinen wird nur der Zement heiß gebrannt, die Temperaturen bei der Dachsteinherstellung selbst sind niedriger. Zudem fallen die Transportwege vom Gewinnungsort der Rohstoffe zu den Werken kürzer aus als bei Tonvorkommen. Die Herstellung von Dachsteinen benötigt deshalb kumuliert bis zu 70% weniger Energie als die Ziegelproduktion. Somit sinken auch die CO2-Emissionen.

Auch hinsichtlich des alltäglichen Haus-Erlebnisses unterscheiden sich die beiden Bedachungsarten: Während eine Ziegeldeckung lebendig wirkt und den Charme eines seit Jahrtausenden eingesetzten Werkstoffes vermittelt, leisten Dachsteine wegen ihrer hohen Dichte einen besseren Schallschutz – Außengeräusche werden um bis zu sechs Dezibel verringert. Auch die Wärmeisolierung der Betonsteine ist effektiver.

Quick-Info: Ziegel vs. Dachstein – wer punktet wo?

  • Dachsteine bringen mehr Sicherheit, vor allem durch höheres Auflagegewicht und Widerstandfähigkeit gegen Bruch.
  • Dachziegel bieten eine größere Varianz an Formen und Farben.
  • Preislich liegen Dachsteine und Ziegel – in vergleichbaren Qualitäten – auf ähnlichem Niveau, wenn auch mit leichten Kostenvorteilen für Dachsteine. Bei einer Kompletteindeckung fällt die Preisdifferenz jedoch nicht besonders üppig aus.
  • Unter dem Aspekt Langlebigkeit können Dachziegel und Dachsteine als gleich gut bewertet werden.
  • Die Schall- und Wärmedämmungswerte von Dachsteinen sind höher. 

Bildquelle: Braas

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